Lost in translation – part III: The coin laundry / Der Waschsalon

Nach unserer Mini-Trekking-Tour war dann endlich mal der Tag erreicht, an dem es kaum mehr präsentable Kleidungsstücke gab. Ein gewisser Geruch ging von allem, das aus Stoff war aus. Praktischerweise haben wir auf der Suche nach dem Supermarkt (zwei alte Damen, die mit ihren Rollwägelchen vor einem kleinen Häuschen saßen, haben uns den Weg gewiesen) den Waschsalon (das war das Häuschen) entdeckt und fortan als Wegweiser benutzt. Und da ich erfahrene Benutzerin von Waschsalons bin, dachte ich mir, das wäre ein Klacks. Leider haben wir verpasst zu gucken, ob es dort Waschpulver zu kaufen gibt, was oft üblich ist. Hier war es anscheinend nicht üblich, was aber nicht auf Anhieb zu erkennen war. Ein Automat mit einem wahrscheinlich erscheinenden Betrag (100 Yen gleich 80 Cent für ein Pappkistchen in Gelb) sah nach Waschpulver aus. Wäsche in die Trommel, Geld in die Maschine, Geld in den Automaten für das gelbe Päckchen – und raus kamen zwei duftende Tücher, ähnlich wie Wachstücher. Nun war guter Rat teuer, Zeit war aber bis zur Abfahrt des vorletzten Busses zum Campingplatz auch wenig und so warfen wir die Tücher kurzerhand mit in die Wäsche und los gings. Während wir zunächst erleichtert einkaufen gingen, kamen erste Bedenken: Wenn diese Tücher sich jetzt ähnlich verhielten wie Taschentücher, dann würde unsere überwiegend dunkle komplette Wäsche aussehen wie daheim, wenn man das Tempo aus Versehen mitgewaschen hat. Mit etwas mulmigem Gefühl kamen wir zurück zum Waschsalon, wo erneut zwei alte Leutchen saßen und den Sonnenuntergang bei einem Schwätzchen genossen. In Gedanken haben wir bereits deren erfreute Reaktion durchgespielt, wenn wir mit unserer über und über mit weißen Flusen bedeckten Wäsche an ihnen vorbei müssten… Die Minuten zählten zäh hinunter, bis wir endlich die Trommel öffnen konnten – und aufatmeten. Die Tücher waren noch vorhanden, dufteten nicht mehr, waren aber intakt, und unsere Wäsche war – ob in den Tüchern jetzt Waschmittel drin war oder nicht – weitgehend sauber und erfreulich geruchsneutral. Sehr erleichtert packten wir alles ein und fuhren zum Campingplatz, den wir dann mit allen verfügbaren Mitteln zum Wäschetrocknungsplatz umbauten. Operation gelungen – Patient hats überlebt!

When we came off the hills our laundry definitely looked like it had seen better days (and smelt like it as well). To do a laundry was paramount. Very good was, that on our first day in Tazawa-ko we got lost, while looking for a supermarket. Next to a little building we asked two old ladies for the way to the supermarket (they could read the japanese on the map, we could only point at it) and showed us the way. From then on the little building (a coin laundry) was an important waymarker in this town. Since I consider myself a little bit of an expert when it comes to coin laundries, I thought I could give it a try even though I don’t understand the writing. Unfortunately we had not checked beforehand, whether there was a machine for detergent. When we arrived, everything looked like there was: A little machine, where you got small yellow cartons when you put in 100 Yen, which sounded reasonable for washing powder. Alas – it wasn’t. What we got were two perfumed tissues. So now there were two options: Get detergent in the supermarket and miss the bus or just go for it. So we chucked the two tissues in the machine, pressed start and left for the supermarket. Soon we got worried: What if those tissues would dissolve in the machine like normal tissues, which you accidentially leave in the pockets of trousers and which dot every bit of clothing with white bits that are hard to remove? Everyone will laugh at us. So we went back a bit cautiously. There were again two old people sitting at the bench in front of the building, staring at the sunset and having a chat. What would they think of us, if we came out with our stained laundry? They will have the laugh of a lifetime. While the minutes counted downwards, we worried. But in the end, all was well: Miraculously the tissues had only lost their scent but not their shape, the laundry smelt nice or not bad, and even if it was washed without detergent, you couldn’t tell. So we packed our bags happily, went back to the campsite and put up laundry lines in every possible place to get it dry over night. What a happy outcome!

Share

Zwei Tage am Berg – Akita-Komagatake

Lange hektische Planungen führten am End dazu, dass wir um 4.30 Uhr den Wecker stellten, das Zelt einsammelten, die Milane am See beobachteten und rechtzeitig den ersten Zug nach Süden zu nehmen. Ziel war Tazawa-ko, ein riesiger Vulkankrater-See, an dessen Rand weitere Vulkane stehen. Unter anderem der Akita-Komagatake. Die Wanderung war mit 17 km und zwei Tagen auf den ersten Blick machbar, doch erschwert wurde die Situation, dadurch, dass wir dafür zu viel Gepäck hatten (ließ sich dann am Bahnhof einsperren), es nicht klar war, ob Trinkwasser auf der Hütte war (drei Liter pro Mann eingepackt) und der Shuttle-Service aufgrund der Nebensaison nur noch die Abzweigung der Straße zum Start der Wanderung anfuhr (6km zusätzlich bergauf, 600 hm, kaputter Fuß, untrainierte Wandererin, 27 Grad mittags). Es waren also alles andere als perfekte Bedingungen und nach 20 Minuten Aufstieg auf der zähen Teerstraße war ich fertig mit der Welt. Dann kam wie aus dem Nichts das Taxi! Der Fahrer stieg aus uns sagte mit strahlendem Grinsen: „Perfect timing!“, während er unsere riesigen Rucksäcke in seinem Auto verstaute. Wir waren alle begeistert – für schlappe 20 Euro fuhr uns der Kerl in 20 Minuten die steile Bergstraße hinauf, wo er oben eh zwei ältere Damen abholen musste. Mit jeder Biegung (sie waren nummeriert) wurde mir klarer, dass ich an diesem Tag diese Straße mit dem Gepäck bei der Hitze nicht hochgestiegen wäre. Nie habe ich begeisterter jemandem 20 Euro in die Hand gedrückt. Der Taxifahrer und die beiden alten Damen waren überglücklich und mit wenigen Brocken Englisch haben wir noch ein Schwätzchen gehalten. Dann ging es wirklich los: Durch ein von vulkanischer Aktivität geprägtes Gebiet, das voller Farben war – Abbaustoffe von den Ausbrüchen, dunkle Bimssteine, helles Material, dazwischen die Blätter des Bewuchses in allen bunten Farben. Es war beeindruckend und zum Glück nur ein kurzer Aufstieg. Oben angekommen, waren in der Hütte zwar die besten Plätze schon besetzt, aber die zweitbesten waren immer noch unglaublich gut, dafür dass das eine kostenlose und völlig frei zugängliche Berghütte war ohne Betreuer. Dadurch, dass man nicht mit Schuhen rein darf, ist im Schlafbereich alles in Socken begehbar und man fühlt sich deutlich besser. Im Abendlicht haben wir die Gegend noch ein bisschen erkundet. Am nächsten Morgen (nach einer unglaublich ruhigen Nacht in der Hütte mit drei weiteren Japanern) ging dann der lange Abstieg zu Nyuto Onsen los. Die Beschreibung der Tour legte großen Wert auf die wunderschönen Ausblicke, v.a. im Herbst (gab es zuhauf), vergaß aber zu erwähnen, dass weite Teile des Weges ausgewaschen waren, die Wegbefestigung – wenn vorhanden – für meine kurzen Beine völlig indiskutabel gestaltet war (15 Minuten am Stück riesige matschige Stufen, dann kurze Unterbrechung, dann wieder 15 Minuten am Stück…. und das in Endlosschleife) und der Rest in hüfthohen Bambuspflanzen unterging und man nicht sehen konnte, wo man hintrat. Aber abgesehen davon und wenn man meine lauten Flüche ignorieren konnte, war es ein Traum. Am letzten Gipfel gab es sogar noch – auf japanische Art – ein Süppchen und den vorletzten Bus haben wir dann auch noch erwischt, sodass wir recht zufrieden diese letzte Wanderung in Japan beenden konnten.

Share

Onuma-Higashi-Quasi-Nationalpark – on a rainy day

Unsere Zeit auf Hokkaido hätte sich schon länger dem Ende zuneigen sollen – allein, das Wetter im Süden war heiß und nass. Zu heiß und definitiv zu nass, um in die Japanischen Alpen aufzubrechen. Im Regen wollten wir nicht mehr wandern! So sind wir also kurzerhand auf dem kostenlosen Zeltplatz des Onuma-Higashi-Quasi-Nationalpark eingekehrt. Der Nationalpark umfasst ein paar Seen und einen Vulkan, den man besteigen könnte. Kleines Manko: Wir kamen an einem Wochenende an. Auf dem angeblich 200 Zelte umfassenden Zeltplatz gab es fast keinen geraden Stellplatz mehr – denn sämtliche japanischen Familien der Umgebung haben kleine Städte aus Zelten aufgebaut: Schlafzelt, Kochzelt, Aufenthaltszelt mit drei offenen Seiten, Kochstelle außerhalb und zur Sicherheit vielleicht noch einmal innerhalt eines der Zelte. Einen Platz gab es noch neben einem Zelt, von dem bereits Teile nicht mehr abgespannt waren. Ob der Besitzer noch lebt, haben wir nicht herausgefunden. Wir wollten aber auch nicht nachgucken, um nicht der japanischen Polizei erklären zu müssen, was wir mit einer potentiellen Leiche zu tun haben. Es blieb jedenfalls von rechts still. So nahe am See habe ich selten gezeltet – und für meinen nächsten Camping-Urlaub in Japan werde ich mir auch so eine Feuerschale besorgen. Wenn man das Programm von Snow Peak, einer japanischen Outdoorfirma für hochpreisige leichte Gerätschaften ansieht, dann weiß man eigentlich, wie die Japaner zelten. Wir saßen also (leider ohne Feuerschale) im Dunkeln direkt am See, tranken Tee (und ein Bier) und wollten am folgenden Tag auf den nahe gelegenen Vulkan steigen. Ein nicht angekündigter Regenguss, gepaart mit der Tatsache, dass die direkten Wanderwege anscheinend durch privates Gelände gingen und gesperrt waren, wählten wir den Weg um den See stattdessen. Auch so wurden wir klatschnass – wenn es in Japan regnet, dann regnet es ordentlich und lang und ohne Unterbrechung für Stunden. Dies war damit das dritte Mal, dass ich mir bei einer netten Dame in einem convenience store alte Zeitung besorgt habe, um meine völlig durchweichten Schuhe auszustopfen. Etwas demoralisiert saßen wir damit in feuchten Klamotten und mit Zeitung in den Schuhen unter dem einzigen trockenen Unterstand mit Bank und trockneten unsere Habseligkeiten, während zum Glück plötzlich die Sonne herauskam. Und damit kamen die Touristen in Scharen, da es sich bei der anderen Seite des Sees um eine Touristenhochburg handelte: kleine pittoreske Inseln im See, die durch Brückchen verbunden sind, an allen möglichen Ecken Ahorn-Bäume (rote Blätter im Herbst für Selfies!) und (für uns und ein paar einzelne Männer mit ähnlicher Neigung interessanter) einer gewaltigen Anzahl von Schwarzmilanen, die laut schreiend auf den Bäumen der Inselchen saßen und jagten. Erstaunlich, was ein Parameter (Wetter) für eine unterschiedliche Erfahrung produzieren kann. Am nächsten Morgen wurden wir vom Schreien der Schwarzmilane am Zeltplatz geweckt – dort jagten sie dann nämlich direkt vor unserem Zelt. Leider hatte der Fotograf nicht die richtige Kameraeinstellung, aber das Erlebnis war einmalig.

We were due to leave Hokkaido a week ago, but the weatherforecast for the central Japanese Alps was horrendous and so we changed our plans. No way would we walk in the rain again! So we planned two nights at a free campsite in the south of Hokkaido, in the Onuma-Higashi-Quasi-Nationalpark, where there are a couple of lakes and a huge vulcanoe, which you can actually climb. So we arrived there on a weekend, which made things a bit complicated: There was nearly no space left to pitch our tiny two man tent, because every japanese family in the surroundings seemed to have arrived before us and pitched not only one but up to three tents! Most had a tent for sleeping, an annexe to sit in and cook, another tent for storage or for cooking without sitting in. An extra fire place outside and maybe one for inside the tent too. So we eventually set up our tent next to a derelict one, whose owner never showed up. I wondered if he was lying inside and rotting away, but I didn’t want to look. Imagine what would have happened, if we found the guy and had to tell the police that we were not guilty of his demise. It was a good place though, because we could sit next to the tent and almost put our feet in the lake. The only thing that was missing for pure bliss was a mobile fire place like everyone else around us had. If you look at the things Snow peak produces, which is a japanese outdoor company, then you know exactly how people here camp. The next day we had planned to hike up to the vulcano. Unfortunately a not announced massive rain front came in and we found out before heading of, that there were only a few paths up the mountain quite far away from our site. So we opted for a walk around the lake – only to end up entirely soaked on the other side, where there is a very touristy spot. This was understandably deserted while we waited under a shelter for the rain to subside. Which it eventually did! So we got into drying mode and organised newspaper (for the third time now!) to dry our shoes. From then on it was fabulous: The tourists came now, too, but they only took pictures of themselves in front of these beautiful little islands or on the linking bridges. We observed the wild birds. There were lots of black kites, lovely birds of prey, similar to harriers, which seemed to live here in huge amounts. They sat on the trees everywhere and dried their feathers or hunted for frogs and fish. It was a fabulous time to watch them. In the end we had an even closer encounter with them the next morning when they woke us up with their long cries and we spent some time watching them hunting right in front of our tent. The photographer unfortunately made a technical mistake, so there are no close-up shots now. It was a fabulous experience anyway.

Share

Hokkaidos Insel – Rishiri-to

Share

Hiking in Hokkaido – Mt. Kurodake und Mt. Hokuchin

Share

Camping in Japan

Bei der Planung unserer Reise war klar, dass wir dieses Mal eher in die Wildnis wollten. Und dass wir zu alt sind für Hostels. Meine Erinnerung an jugendliche Abenteurer, die versuchen, im einzigen Toaster Monster-Süßkartoffeln zum Frühstück (oder Mittagessen – wer weiß?) zuzubereiten, ist noch frisch. Auch meine Erinnerung an nächtliche Ruhestörung durch ins Koma fallende Säufer, die mir den Schlaf vermiesten. Also: Camping. Im Web findet man Erstaunliches: Camping sei sagenhaft günstig, die Japaner hätten eine seit Urzeiten etablierte Outdoor-Kultur, es gäbe für Wanderer und Radfahrer sogar die Möglichkeit, in jedem ruhigen Fleck selbst in Parks zu zelten, wenn man spät aufbaut und früh wieder geht. Sogar eine Karte für kostenlose Zeltplätze gibt es im Netz.

Wir haben also ein paar Koordinaten markiert (Internet haben wir meist nur an öffentlichen Plätzen) und sind mit dem Auto losgefahren. Und siehe da: Mitten in der Nacht (also um 18 Uhr) sehen wir am Straßenrand einzelne Zelte in Honbetsu, einem kleinen Waldgebiet am Rande von Obihiro. Die Ausstattung spartanisch – Toiletten, kaltes Wasser, Picknicktische. Und ca. 10 Personen bereits da oder im Einrichten begriffen. Kosten: Nichts. Mülleimer: Keine. Dafür war das Toilettenpapier im Halter hotel-mäßig zum Dreieck gefaltet und da ich die einzige Camperin war, gehörte das Damenbad mir.

 

Nächster Versuch: Ebenfalls kostenloser Platz direkt am Meer – Hamanaka. Es gäbe eine Rezeption, aber dadurch dass Hokkaido gefühlt eine 50er-Zone ist und so Strecken von 150 km einer Halbtagesreise entsprechen, ist es bereits zu spät. Ausstattung: Spülbecken, Toilette, Waschbecken außen, Müllcontainer und – das Highlight – eine Indoor-Räucherkammer. Leider gibt es davon kein Bild, aber es handelt sich bei den japanischen Campern um leidenschaftliche Griller. Da Hamanaka auf einer ins Meer liegenden Klippe liegt, sind hier die gemauerten Grillstellen (2, an denen man sich einander gegenübersitzen kann und alle gemeinsam anstatt um einen Tisch um die zwei langen Grillstellen herumkauern) in einem Gebäude, in dem es dementsprechend riecht. Die Leute waren die ersten, die mit mir gesprochen haben und mir sofort Ofenkartoffel und Kürbis in Alufolie in die Hand gedrückt haben. Einer hat mir gleich sämtliche großen Städte in Deutschland aufgezählt und dazu den einzigen jüngeren Camper als Übersetzer herbeigerufen. So war ich gleich Teil der Gruppe und habe als Dank Kekse verteilt. Sehr zum Unwillen des eigentlichen Besitzers der Kekse (seitdem haben wir überwiegend Kekse im Gepäck – für alle Fälle und zur Vermeidung interner Konflikte). Erneut gab es – bei genauerer Betrachtung – keinen allgemeinen Müll. Auf Nachfrage und mit Händen und Füßen und erneut unter Einbeziehung des jungen Mannes, dessen Grill derweil kalt wurde, wurde mir langsam deutlich, dass es ein Müllkonzept gibt, bei dem anscheinend jeder seinen Müll mit nach Hause nimmt, außer den wenigen Trümmern, die recycelt werden, und da Touristen unmöglich mit all dem Müll das Land verlassen können, diese einen Tourist-Garbage-Bag kaufen sollen. An dem Abend hat sich einer der netten Mitcamper erbarmt und unseren Müll übernommen. Leider waren unsere Kekse da schon weg und wir hatten nichts mehr zum Bedanken.

Beim nächsten Zeltplatz hatten wir langsam Dusch-Sehnsucht. Folglich waren die Erwartungen hoch, als wir in Rausu – erneut in stockfinsterer Nacht – in den Zeltplatz einbogen. Leider nein – kostenlose oder günstige Zeltplätze liegen meist neben Onsen, öffentlichen Bädern, die oft auch kostenlos sein können. Leider haben diese auch Öffnungszeiten und die waren bereits rum. Also keine Dusche mehr. Dafür klärte sich die Müllfrage: An den Plätzen, an denen man Beutel kaufen kann, kann man sie dann auch abgeben. Leider hatten wir gerade keinen Müll mehr, nachdem wir ihn vorsorglich in einer Raststätte untergebracht hatten. Auch hier waren kaum Frauen vor Ort, sodass ich das hintere Toilettenhaus für mich entdeckte und der Waschlappen zur Anwendung kam.

Umso größer war unsere Erleichterung (also meine hauptsächlich), als wir schließlich (ich brauche es eigentlich nicht zu erwähnen, aber es war wieder stockfinster und hat geregnet) in Sounkyo in einen Zeltplatz rollten. Versuch eins war gescheitert, denn der kostenlose Zeltplatz südlich von Sounkyo war im Dunkeln, durch eine steile Schotterstraße, die mitten in den Wald führte, nicht vertrauenserweckend, und ich wollte eine Dusche. Somit kam der nördliche Zeltplatz ins Spiel, und der war toll. 500 Yen für zwei Personen pro Nacht – unschlagbare 4,50 Euro, dazu heiße Duschen für 200 Yen, Waschmaschine und nagelneue Toiletten. Und kostenlose Müllabgabe.

Insgesamt also ist Campen tatsächlich eine spannende Erfahrung. Man muss mit einfacher Infrastruktur rechnen, kann durchaus auch spartanisch kostenlos übernachten, sollte sich ein Müllentsorgungskonzept überlegen (und es ist unglaublich, was sich bei zwei Personen an einem Tag ansammelt, wenn jedes Plätzchen einzeln verpackt ist) und man muss damit rechnen, dass der Tag für die anderen Camper um 4.30 Uhr beginnen kann. Wenn der Camper auch noch Bergsteiger ist, marschiert der dann auch los und hat sein Bärenglöckchen am Rucksack.Haja – und ob die Japaner jetzt mit Absicht so viel Rauch beim Grillen produzieren oder ob das mangelnde Erfahrung ist, das ist mir noch nicht klar.

Zeltplatz Nummer vier

Camping in Honbetsu – no charge, but with hairy company
Camping in Honbetsu – kostenlos, aber mit potentieller haariger Begleitung
Einfach, aber da
Abspülen
Share

Autofahren in Japan – Driving a car in Hokkaido

When we planned our trip to Japan, we soon realised, that we wanted to discover the more rural places and to go north and preferably into the hills. Since then I have nearly torn a tendon and still can’t walk. Also we have only the hard-wearing camping gear with us, largely because we head on to New Zealand in springtime and to Patagonia, where we are expecting rather cold and windy conditions. So we have really heavy bags for a fast and light camping and hiking tour. Which means we had to change plans and hired a car. To hire a car and drive in Japan you need good nerves. Noo“ne here speaks proper English, the lady at the rental car company gladly used a translating device. So far so good – we got a tiny white car, which emitted a little sigh, when we dumped our bags in and started to drive. The also friendly but silent man who took care of the technical side of the rental agreement took a magnetic sign and slapped it onto the back and front of our car. We don’t know, what it says, but it must be something along the lines „drive friendly – complete novice in Japanese traffic“ or „usually sits on the other side of the car“ or „driver doesn’t speak Japanese“. Whatever, it has a cute pet on it and something with „friendly Hokkaido“. So I guess, the message is alright. After a couple of kilometers, more questions arose: Weird signs everywhere, the stop sign, a red triangle with writing on it differs completely from our sign. The speed limit seems to vary depending on whether you are in or outside a town. But how can you tell? Apart from us not a single car adheres to it anyway, so we are mostly the slowest, even though after day 1 we stopped heeding the speed limit. Apparently (Peter, the encyclopedia, has added that detail) every year there die a lot people in Hokkaido in traffic, but we wonder how. The fastest we drove legally was 5 km at 70 km/h. The rest of those 400 km was at a speed of 60 or much lower. But on the other hand our car is the perfect car for this place. It is a Nissan Dayz which has 36 kW and needs about 5 minutes to reach 60 km/h uphill. It sounds like a sewing machine, when it tries that. So far we managed not to get into difficult situations, largely due to those 36 kW and constant nagging from the person who doesn’t drive. It is a bit disconcerting if you sit on the driver’s seat but can’t do anything, because the steering wheel is in the hands of your neighbour! What is still (on day 4 of self driving in Japan) absolutely hilarious is every kind of building site and the amazing light management around roads. If you have a building site on the street, you have an army of at least 5 persons, who wave flags. It took a while to figure out that the waving of the red flag means Stop, whereas the white flag allows us to pass. I would really be interested how many people in Japan work as flag wavers on the roads. Imagine everyone being kitted out with helmets, two flags, high vis vests and some other gear. The second really wild thing are the street lights. You can get arrows pointing in red flashing light at your side of the street. Each one hanging of a purpose-built metal post. Since most writing is in Japanese, sometimes we really don’t know, if what we are doing is right. But even the english translations are mostly not helpful. At the entrance of a tunnel it displayed: Drive safely lightning advisory. What I am to do in this case? I am not Jupiter.

Wir haben aufgrund der komplexen Reisestruktur (Japan in einer warmen Jahreszeit, Neuseeland und Patagonien mit dem Zelt in einer kalten) ein recht großes Gepäck. Während der Planung unserer Reise habe ich mir ja ein Band im rechten Fuß angerissen und kann noch immer nicht ordentlich laufen und schon gar nicht schwer tragen. Daher und weil wir in Japan ein bisschen mehr ins Wilde und Bergige wollten, kamen wir auf die Idee mit dem Automieten auf Hokkaido. Nachdem das Leihen ja trotz der massiven Sprachprobleme fast reibungslos ging, heftete uns der Techniker von Japan Rail noch einen Magentaufkleber vorne und hinten auf die winzige Karre. Was auch immer da drauf steht – vielleicht „Fahrer hat von Tuten und Blasen keine Ahnung“ oder „Achtung neugeborener Rechtslenker“ oder „Fahrer spricht kein Japanisch“ – es enthält noch einen englischen Satz: Friendly Hokkaido. Haja – wird schon was Nettes sein, was wir da so mit uns herumfahren. Bislang ist jedenfalls alles ganz gut gegangen, ob wegen oder trotz des hysterischen Beifahrers, das muss ich jetzt dahingestellt lassen. Ansonsten mussten wir zügig feststellen, dass Distanzen auf Hokkaido ganz andere Dimensionen annehmen können als bei uns. Aktuell (Stand Tag 4) haben wir einmal die legale Geschwindigkeit von 70 km/h erreicht, ansonsten sind die üblichen Geschwindigkeiten außerorts 60 km/h und innerorts alles zwischen 30 und 50. Nur ist nie klar, wann außerorts ist. Somit versuchen wir uns nach den Einheimischen zu richten. Die allerdings fahren grundsätzlich viel zu schnell. Somit bewegen wir uns im Niemandsland zwischen erlaubt und erwünscht und kommen dennoch nur langsam voran. Durchschnittlich 50 km/h ist gerade so möglich, sodass Strecken von 200 km zu einer Halbtagestour werden. Spannend sind auch die Beschilderungen, die wir nur manchmal lesen können. Selbst englische Übersetzungen helfen da oft nicht weiter. Der Ausdruck „Drive safely Lightning advisory“ hat mich länger beschäftigt. Drive safely – fahre sicher. So weit, so gut. Lighting, das englische Wort für Blitz, und advisory – empfohlen – war schwerer übereinzubringen. Soll ich es nun blitzen lassen? Soll ich das Fernlicht anschalten? Bin ich Jupiter? Das Rätsel blieb ungelöst. Das Stop-Schild dagegen, ein Dreieck mit einem japanischen Schriftzug, das haben sie uns noch erklärt. Aber vieles bleibt nach wie vor nebulös. Witzig sind dagegen die Straßenrandbeleuchtung und die Baustellen-Absperrungen. Straßen werden mit Hilfe von blinkenden, an Pfosten hängenden Pfeilen markiert. Diese leuchten mal rhyhtmisch, mal hektisch, mal sind sie aus und mal ist nur eine an. Ein Konzept ist für uns nicht erkennbar. Aber welch ein Aufwand, um das kilometerlang an den Straßen aufzubauen! Des Weiteren ist das Baustellenwesen ein unerschöpflicher Quell der Heiterkeit. Comic-Figuren halten die Absperrungen, pro Baustelle stehen ca. fünf Personen für die Sicherheit zur Verfügung. Alle behelmt, alle mit Warnwesten und zwei Flaggen. Eine in Rot (das haben wir am Gesichtsausdruck erschlossen – für Stop) und eine in Weiß (da darf man fahren). Ich würde gern wissen, wieviele Millionen Japaner im Baustellenwesen für die Sicherheit zuständig sind. Ich frage mich nur, wo die außergewöhnlich vielen Toten im Verkehr auf Hokkaido (Peter, das Lexikon, hat diese Statistik ins Spiel gebracht) herkommen. Von den 30 bis 70 km/h auf mit roten Pfeilen markierten Landstraßen?

Share

Lost in translation part II

Ich empfehle allen Interessierten den Film „Lost in translation“. Wir drehen hier gerade Teil II. Bisher haben wir es auf Japans nördlicher Insel Rishiri-to geschafft, von Menschen, die kein Wort Englisch sprechen können, was zu essen bekommen, einen Zeltplatz bezahlt, uns die Duschen aufschließen lassen und sind um die halbe Insel mit dem Bus gefahren. Dagegen waren die 1500 m Aufstieg auf den Rishiri-zan ein Klacks…

Do you know the movie „Lost in translation“? We are starring in the sequel. So far we managed to order lunch, buy bus tickets to the other end of the island Rishiri-to, pay for our tent and have the showers opened for us. Compared to these accomplishments the ascent of the central Mountain Rishiri-to (1500 m up) was easy.

Share